15. Juni 2026
Leitvers 28: „Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.“
Beten ist ein wichtiger Bestandteil unseres Glaubenslebens. Leider haben wir oft das Gefühl, dass Gott trotz unseres Gebets schweigt oder unsere Bitte ablehnt.
In dieser Geschichte schweigt Jesus zunächst trotz der wiederholten Bitte einer Frau, und lehnt dann ihre Bitte scheinbar ab. Wie reagiert die Frau darauf?
Wir wollen diese Geschichte näher kennenlernen und herausfinden, wie wir Jesu Hilfe erfahren können. Wir wollen also das Geheimnis der Gebetserhörung entdecken.
1. Die Heilung der Tochter von der kanaanäischen Frau
Jesus hatte am Westufer des Galiläischen Meeres Auseinandersetzungen mit den Pharisäern und Schriftgelehrten gehabt. Danach zog er in das Gebiet von Phönizien zurück.
Sidon und Tyrus[1]
Man nennt den Küstenstreifen am Mittelmeer Phönizien, wo auch Tyrus und Sidon gehörten. Phönizien[2] entspricht etwa heutigem Libanon.
Die Urväter der Phönizier waren Semiten wie Juden. Ihre Sprachwurzel lag in der semitischen Sprache wie Babylonier, Assyrer, Aramäer, Hebräer, Syrer usw. Die Phönizier trieben mit ihren Schiffen einen kommerziellen Handel erfolgreich und gründeten Kolonien, u. a. Karthago. Als Jesus wirkte, waren sie den Römern untertan.
Die Sprache der alten Phönizier war ein Dialekt vom Hebräisch. Man betrachtet phönizische Schrift als die erste Alphabetschrift im engeren Sinn. Das phönizische Alphabet umfasst 22 Konsonanten. Die Schrift läuft von rechts nach links. Über die Handelsbeziehungen von phönizischen Kaufleuten wird diese phönizische Schrift weit ausgebreitet. Und die griechische Schrift war eine Weiterentwicklung der phönizischen Schrift, denn ab dem 8. Jh. v. Chr. entwickelten die Griechen aus der phönizischen Schrift ihre Schrift. Sie machten aus den Konsonanten, die für sie nicht brauchten, zu Vokalen.
Und vom griechischen Alphabet stammen das lateinische, kyrillische (bzw. slawische), koptische und aramäische Alphabet ab. Das zeigt uns, dass Gott die Semiten auch im kulturellen Bereich als Segen für die Welt gebraucht hat.
Geschichte der Schrift und Phönizisch[3]
In der Nähe von Sidon gab es die Stadt Sarepta[4]. Denn wir erinnern uns an die Geschichte, dass Prophet Elia einmal in Sarepta bei einer armen Witwe geblieben war und ihr weniges Mehl wunderbarerweise vermehrte (1. Kön. 17,8ff).
Warum zog Jesus ins Gebiet der Phönizier? Wahrscheinlich deshalb, weil er aus dem Herrschaftsgebiet des Herodes Antipas zurückziehen, dort eine Zeit lang im Verborgenen bleiben und sich auf seinen letzten Kampf vorbereiten wollte (Mk. 7,24), denn die gesetzlichen Pharisäer würden auf das heidnische Gebiet nicht betreten.
Leider konnte er nicht verborgen bleiben, denn eine Frau hörte von seinem Aufenthalt. Sie war eine kanaanäische Frau, also eine Nachfahrin der semitischen Phönizier.
Als die Frau vom Aufenthalt Jesu hörte, erkannte sie eine einmalige Gelegenheit für die Heilung ihrer Tochter. Sie hoffte aber nicht zuhause sitzend darauf, dass Jesus vielleicht an ihrer Tür vorübergehen würde. Vielmehr lief sie zu ihm und suchte nach seiner Hilfe.
Alsbald sie zu Jesus kam, begann sie zu schreien: „Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt.“
Sie sprach Jesus mit „Davids Sohn“ an, denn sie glaubte an ihn als Messias, obwohl viele Juden ihn als falschen Messias beschuldigten! Das war für Jesus eine Ermutigung.
Wie reagierte Jesus auf ihren Hilferuf?
Zunächst antwortete er nichts, obwohl sie immer wieder nach seiner Hilfe laut schrie.
Das Schweigen Gottes ist oft ein großer Test für unseren Glauben. Trotz seines Schweigens hörte die Frau mit ihrem Schrei aber nicht auf. Sie setzte alles dran, Jesus für sich zu gewinnen.
Wenn diese Frau nur einige Male geschrien und aufgehört hätte, hätten Jesu Jünger eigentlich kein Herz für ihre Not gehabt. Aber weil sie immer wieder um Hilfe schrie, konnten sie keine Ruhe haben. Deshalb bedrängten sie Jesus, ihr doch zu helfen, damit sie endlich verschwinden und sie in Ruhe lassen werde. Darum sagten sie zu Jesus: „Erfüll ihren Wunsch und schick sie schnell weg! Sonst schreit sie andauernd hinter uns her.“ (23).
Aber Jesus blieb cool und antwortete der Frau: „Es ist nicht richtig, dass man seinen Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.“
Mit den Kindern meinte Jesus die Israeliten und mit Hunden die Ausländer wie die Frau. Jemanden einen Hund zu nennen - das wäre eine große Beleidigung. Und Jesus lehnte die Bitte der Frau nicht nur ab, sondern beleidigte sie sehr.
Natürlich verstand die Frau seine beleidigenden Worte: man würde sein Wort so verstehen, dass Jesus wohl der Heiland ist und Menschen hilft, aber nicht ihr.
Ärgerte die Frau sich über seine Absage plus seine Beleidigung?
Der Vers 27 gibt uns ihre Reaktion wieder: „Sie sprach: <Ja, Herr. Aber die Hunde dürfen doch die Krümel fressen, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen.>“
Sie verstand, wie sie Jesus zur Hilfe bewegen könne. So konnte sie seine Hilfe erfahren.
Weshalb konnte sie trotz seiner scheinbaren Absage doch seine Hilfe erfahren?
Ich nenne drei Gründe, weshalb sie Jesu Hilfe erfuhr:
2. Drei Geheimnisse, Jesu Hilfe zu erfahren
Als erstes weil sie große Liebe zu ihrem Kind hatte.
Weil sie große Liebe zu ihrer Tochter hatte, wurde sie trotz der scheinbaren Beleidigung Jesu nicht verletzt. Vielmehr wollte sie seine Hilfe unbedingt erhalten. Ihre Liebe trieb sie dazu, zu Jesus zu kommen und immer wieder um sein Erbarmen zu schreien. Ihre Liebe machte es möglich, dass sie trotz seines Schweigens nicht aufhörte, ihn immer wieder um seine Hilfe zu bitten.
Die Liebe macht Wunder. Nichts ist stärker und näher zu Gott als Liebe. In dieser Welt gibt es verschiedene Probleme. Wenn wir ohne Liebe uns und andere Menschen betrachten, bekommen wir wegen vieler Probleme nur Kopfschmerzen. Wenn wir aber Liebe haben, sind unsere Probleme schon fast gelöst. Denn die Liebe gibt uns Sinn und Kraft. Will jemand irgendein Problem lösen, soll er unbedingt Liebe haben. Liebe macht uns zielstrebig und hingabevoll. Sie gibt uns Hoffnung und Kraft. Sie macht Wunder. Und sie macht unser Leben glücklich.
Als zweites weil sie Glauben an Jesus hatte.
Sie redete Jesus damit an: „Herr, du Sohn Davids“. Davids Sohn war die Bezeichnung des verheißenen Messias. Sie hatte von Wundertaten Jesu gehört. Da musste sie überlegen, wer Jesus ist. Und sie kam zur Überzeugung, dass er der verheißene Messias sein müsse. Darum schrie sie zu ihm: „Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Befreie meine Tochter vom bösen Geist.“
Ihr Glaube war erstaunlich groß. Obwohl die jüdischen Geistlichen die Taten Jesu und seine Lehre gut kannten, glaubten sie nicht an ihn. Vielmehr hielten sie ihn für einen Irrlehrer und wollten ihn verklagen. Aber diese ausländische Frau glaubte an ihn als Messias und an seine göttliche Macht. Weil sie ihr Kind liebte und an Jesus als Messias glaubte, wollte sie unbedingt seine Hilfe erfahren. Darum kam sie zu ihm und schrie immer wieder: „Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Und ihre Liebe und ihr Glaube bewegten das Herz Jesu. Und er antwortete ihr: „Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst!“
Jetzt wissen wir, warum Jesus bis jetzt schwieg. Er wollte ihren Glauben testen. Er wollte testen, ob sie angesichts seiner Ablehnung an seine Liebe und seine Macht zweifle. Falls wenn sie an seine Barmherzigkeit und seine Macht zweifeln würde, werde sie mit ihrer Bitte aufhören. Aber wenn sie an seine Barmherzigkeit und Kraft fest glauben würde, werde sie mit ihrer Bitte nicht aufgeben.
Und sie glaubte an seine Barmherzigkeit und seine Kraft fest. Darum ließ sie sich durch nichts entmutigen. So bat sie ihn um seine Hilfe unaufhörlich. Und ihr Glaube gefiel Jesus gut. Darum lobte er sie und heilte ihre Tochter.
Gottes Wort in Hebr. 11,6 lautet: „Ohne Glauben ist’s unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt.“
Als drittes weil die Frau demütig und weise war.
Als Jesus sagte: „Es ist nicht richtig, dass man den Kindern ihr Brot wegnimmt und es den Hunden werft“, wurde die Frau nicht beleidigt. Wie hätte diese Frau auf die Worte Jesu reagieren, wenn sie eine stolze Frau wäre? Sie hätte bestimmt ärgerlich reagiert und seine Hilfe schließlich auch nicht erfahren.
Aber sie reagierte demütig und weise. Sie sagte: „Ja, Herr. Aber die Hunde dürfen doch die Krümel fressen, die vom Tisch fallen.“
Sie war demütig und weise. Sie bekannte, dass sie eigentlich unwürdig war, Jesu Hilfe zu erfahren. Aber weil sie demütig und zugleich weise war, wurde sie nicht beleidigt, sondern antwortete ihm, dass ein Hund auch vom Tisch seines Herrn was bekommt.
Hochmut und Stolz machen uns oft zu Gefangenen unseres Egos, sodass wir die goldene Chance der göttlichen Hilfe und seines Segens verpassen. Aber Demut und Weisheit verhelfen uns, Gottes Hilfe und seinen Segen zu empfangen.
Wir sollen demütige, weise Menschen werden und Gottes Segen reichlich erfahren.
Es gibt in Korea ein Sprichwort: „Junge Ähren stehen senkrecht. Aber reife Ähren beugen sich.“ Dies Sprichwort besagt etwa folgendes: Ein Mensch, der durch seine Lebenserfahrung richtig gelernt hat, ist demütig, sodass er die Meinung anderer gut zuhört und ihrem guten Rat gerne folgt. Je älter ein Mensch wird, kann er desto unnachgiebiger werden. Aber wir sollen durch den Geist Gottes reife Ähren werden. Wir sollen Gott bitten, dass er uns demütig und weise macht.
Alle drei guten Dingen
Man sagt: „Alle guten Ding sind drei.“ Von der kananäischen Frau können wir drei Geheimnisse dafür erfahren, wie wir Gottes Hilfe erfahren können.
Als erstes sollen wir Liebe haben. Liebe gibt uns Motivation und Kraft. Liebe macht Wunder. Nichts ist stärker und näher zu Gott als Liebe.
Als zweites sollen wir Glauben an Jesus und seine Kraft haben. Wenn wir Glauben an Jesus Christus und seine Kraft haben, gefallen wir Gott und er wird uns gewiss segnen.
Als drittes sollen wir demütig und weise sein. Wenn wir demütig und weise sind, werden wir nicht verletzt, sondern können weise handeln. Gott segnet uns bestimmt.
Wenn wir Liebe, Glauben plus Demut & Weisheit haben, können wir unter allen Umständen das Herz Gottes bewegen, sodass er uns segnet. Gott möge uns Liebe, Glauben plus Demut und Weisheit schenken. Amen!
[1] http://www.gospeldoctrine.com/content/jeremiah-47-49
[2] https://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=4123
[3] https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/11377/
[4] http://www.encinardemamre.com/imagenes/mapas/Sarepta.jpg