15-05-03 Mt 13,24-43 Prd Unkraut unter dem Weizen.docx
3. Mai 2015
Das Gleichnis vom Sauerteig
Matthäus 13,24-43
Leitvers 33: „Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.“
Kinder lesen gerne Märchenbuch; Märchen bieten uns interessante Geschichten und vermitteln uns dabei erbauliche Lehre.
In gewisser Hinsicht können wir die Gleichnisse Jesu geistliche Märchen für die Erwachsene nennen; sie sind interessant und vermitteln uns himmlische Wahrheiten.
Wir haben letzten Sonntag das Gleichnis vom Sämann kennen gelernt. Heute wollen wir drei kleine Gleichnisse kennen lernen: vom Unkraut unter dem Weizen, vom Senfkorn und vom Sauerteig. Jedes Gleichnis vermittelt uns eine oder mehrere geistliche Lehre.
Gottes Geist möge uns helfen, diese Lehre gut zu verstehen und in unserem Leben zu praktizieren.
Das 1. Gleichnis: Vom Unkraut (24-30 & 36-43)
Weidelgras (botanisch: Lolium)[1],[2], rechts: Weizen[3]
Gottes Reich ist mit einem Menschen vergleichbar, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während aber die Leute nachts schliefen, säte sein Feind Unkraut zwischen den Weizen und ging davon.
Als nun die Saat heranwuchs, ging auch das Unkraut auf. Da gingen die Knechte zu ihrem Herrn und sagten: „Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt denn das Unkraut?“
Da sagte ihr Herr: „Das hat mein Feind getan.“
Seine Knechte fragten ihn: „Sollen wir hingehen und das Unkraut ausreißen?“
Aber der Herr antwortete ihnen: „Nein! Wenn ihr versucht, das Unkraut auszureißen, werdet ihr auch Weizen mit ausreißen. Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Ernte da ist, will ich den Schnittlern sagen: <Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen. Den Weizen aber bringt in meine Scheune ein.>“
Das Unkraut, von dem Jesus erzählte, heißt in Deutschland Weidelgras, dessen botanischer Name Lolium[4] heißt.
Das Weidelgras ist mit der Weizenpflanze so ähnlich, dass man das Weidelgras und die Weizenpflanze anfangs schlecht voneinander unterscheiden kann. Schießt das Weidelgras aber seine Ähren empor, kann man es vom Weizen gut unterscheiden. Die Früchte dieses Unkrauts sehen deutlich anders aus als die des Weizens. Die Bilder in diesem Gleichnis waren den Menschen in Galiläa gut bekannt.
Jesus hatte der Menschenmenge dies Gleichnis erzählt, aber die Bedeutung des Gleichnisses nicht. Nachdem Jesus die Menschenmenge fortgeschickt hatte und mit seinen Jüngern nach Hause gekommen war, baten seine Jünger ihn: „Bitte, erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut!“ (36).
Da erklärte er es ihnen: „Der Acker bedeutet die Welt, der Same die Kinder des Gottesreiches und das Unkraut die Kinder des Bösen. Der Feind, der das Unkraut zwischen Weizen sät, bedeutet den Teufel. Die Ernte bedeutet das Ende der Welt. Und die Schnitter sind die Engel.
Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer brennt, so wird’s auch am Ende der Welt gehen. Der Menschensohn wird seine Engel senden. Und diese werden alle Verführer und alle, die Unrecht tun, aussondern und sie in den Feuerofen werfen und sie mit Feuer verbrennen. Dort werden sie heulen und ihre Zähne klappern. Aber die Gerechten werden ins Reich ihres Vaters kommen und dort wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!“
Was lehrt Jesus uns durch dies Gleichnis? Er lehrt uns folgende Wahrheiten:
Erstens: Wir sollen uns vor den bösen Einflüssen der Welt gut schützen.
Jesus lehrt uns in diesem Gleichnis, dass es in dieser Welt sowohl gute Einflüsse als auch schlechte für uns da sind. Und die bösen Mächte versuchen stets, uns geistlich zu verderben. Deshalb sollen wir uns vor den bösen Einflüssen schützen und die guten Einflüsse aber aktiv annehmen.
Nehmen wir das Internet als Beispiel. Ohne Internet kann man heute schlecht auskommen. Leider findet man im Internet sowohl etwas Böses als auch Gutes. Wir sollen vor dem Bösen auf der Hut sein, aber vom Guten aktiv Gebrauch machen. Wer so das Internet gut gebraucht, wird weise und wächst gut.
Zweitens: Dies Gleichnis lehrt uns die Geduld Gottes über alle Menschen.
Jesus lehrt hier, dass wir mit unserem Urteil nicht vorschnell sein, sondern Geduld mit allen Menschen haben sollen.
Menschen in der Welt sehen wie junges Weizen oder junges Unkraut in diesem Gleichnis aus. Man kann zwischen guten Menschen und schlechten schwer unterscheiden. In der Tat gibt es keinen einzigen Menschen ohne Sünde.
Durch dies Gleichnis lehrt Jesus uns, dass wir andere Menschen nicht vorschnell als schlechte Menschen verurteilen sollen. Vielmehr sollen wir möglichst alle Menschen mit Liebe und Geduld betrachten und sie hoch schätzen. Wir sollen auch Menschen, die wie Unkraut aussehen, mit Geduld und Liebe begegnen. Denn wir wissen nicht genau, wer schließlich böse oder gute Menschen sind. Eins ist klar: Alle Menschen sind Gottes Geschöpfe und Gott möchte sie alle erlösen.
Drittens: Dies Gleichnis lehrt uns, dass uns alle einmal das Gericht treffen wird.
Es lässt sich Zeit, aber es kommt unweigerlich. Einmal werden die Guten und die Bösen getrennt werden, denn das göttliche Gericht wird gewiss kommen. Warum sündigen Menschen? Natürlich gibt es verschiedene Gründe dafür. Die Grundursache der Sünde ist aber der Unglaube an das Gericht Gottes. Weil viele Menschen nicht ernst an das Gericht Gottes glauben, meinen sie, dass sie den Folgen ihrer Sünde entgehen könnten.
Aber Jesus lehrt uns, dass Gott gerechte Menschen von den bösen trennen wird. Er wird die Bösen ins Feuer werfen, das nie gelöscht wird. Leider haben alle Menschen ohne Ausnahme gesündigt. Darum sollten sie eigentlich in die Hölle geworfen werden.
Aber Gott hat Erbarmen mit uns: Er hat seinen Sohn Jesus Christus als Sühnopfer für unsere Erlösung dargestellt. Alle, die an Jesu Opfer für ihre Sünde glauben, empfangen die Vergebung und werden vom Gericht Gottes befreit. Das ist die Frohe Botschaft, die Jesus verkündigt. Preist Gott, der uns durch Jesus Christus vom Gericht erlöst hat. Amen!
Das 2. Gleichnis: Vom Senfkorn (31-32)
Senfkornbaum[5] und Senfkorn[6]
Jesus erzählte nun ein weiteres Gleichnis, nämlich ein Gleichnis vom Senfkorn. In Deutschland wird die Senfpflanze ca. 1,5 m hoch und zur Ölgewinnung oder für die Senfproduktion auf Feldern angebaut. Aber in Orient ist der Senfkornbaum ein kleiner Baum bis zu 4-6 m Höhe. Natürlich gibt es in der Welt noch kleinere Samenkörner als Senfkorn wie z.B. Zypressensamen. Aber im Orient gilt das Senfkorn sprichwörtlich als das kleinste Samenkorn.
Der Senfkornbaum stammt aus Persien und gedeiht in Trockengebieten wie Afrika und Indien auf. Das Senfkorn ist ein winziger Same, aber wenn es aufgeht und wächst, wird es zu einer großen Pflanze, ja zu einem Baum:
Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das kleinste unter allen Samenkörnern ist. Ein Mensch nimmt das Senfkorn und sät es auf den Acker. Weil aber das Senfkorn winzig klein ist, kann man das gesäte Senfkorn nicht sehen. Wenn es aber aufgeht und wächst, wird es zu einem Baum, in dem die Vögel ihr Nest bauen können.
Mit diesem Gleichnis lehrt Jesus uns, dass Gottes Werk zunächst klein anfängt und aber dessen Auswirkung unvorstellbar groß ist.
Nehmen wir das Beispiel von Karl Friedrich August Gützlaff (1803-1851). Er war ein Deutscher und der erste evangelische Missionar für Korea. Damals durfte kein Missionar nach Korea einreisen. Darum fuhr er 1832 mit einem Schiff zu den Inseln in der Ostsee Koreas, verteilte den Koreanern chinesische Bibeln und Evangelisationszetteln.
Zu jenem Tag schrieb er in seinem Tagebuch: „Ich habe die Evangelien und Evangelisationszettel den Leuten, die sie annehmen wollten, gegeben. Sie sagten, dass sie mit Interesse darin lesen und sie gut bewahren wollen…Manche Offiziere und Leute haben das Wort des Lebens empfangen… Würde das gesäte Wort keine Wurzel schlagen und verschwinden? Ich glaube aber daran nicht. Es wird zu Gottes Zeit bestimmt große Ernte bringen.“
Gützlaff blieb nur paar Monate auf einigen Inseln Koreas und säte Gottes Wort. Zu jener Zeit erkannte niemand seine Arbeit an. Aber er säte Gottes Wort, wie man Senfkorn sät. Das Wort, das durch ihn und weitere Missionare gesät wurde, hat große Ernte gebracht. Heute arbeiten mehr als 20.000 koreanische Missionare überall in der Welt für die Errettung der Menschen.
Das 3. Gleichnis: Vom Sauerteig (33)
Jesus erzählt nun ein anderes Gleichnis:
„Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau zum Brotbacken braucht. Sie nimmt eine große Menge Mehl und mischt ein wenig Sauerteig darunter, bis alles davon durchsäuert ist.“ (33).
Im Gleichnis vom Senfkorn geht es um die Vermehrung der Senfkörner. In diesem Gleichnis geht es aber um die verwandelnde Kraft. Das Brot ohne Sauerteig ist hart, trocken und wenig appetitanregend. Dagegen ist das Brot mit Sauerteig weich, saftig und von gutem Geschmack.
Wie der Sauerteig eine Wandlung des Brotteiges bewirkt, bewirkt das Evangelium etwas bei dem Menschen.
Was bewirkt das Evangelium bei den Menschen?
Als erstes bewirkt das Evangelium, dass wir dank des Glaubens die Sündenvergebung und das ewige Leben empfangen. Denn Gott hat uns durch das Evangelium von der Macht der Sünde, des Todes und der Hölle errettet und uns das ewige Leben und das Himmelreich geschenkt. Apostel Paulus sagt daher: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Kor 5,17).
Das Evangelium wirkt wie das Sauerteig. Dass wir das Evangelium annehmen – das scheint unbedeutend aus. Aber es wird unser Schicksal grundlegend verändern, denn das Evangelium schenkt uns die Befreiung von der Sünde und der Todesmacht. Er schenkt uns auch Lebensfreude, Lebenssinn und Lebensziel. So können wir mit großer Freude leben und wirken.
Als zweites bewirkt das Evangelium, dass wir Hoffnung haben. Wenn wir ohne Sauerteig Brot backen, bekommen wir ein hartes Brot. Aber der Sauerteig treibt den Brotteig auf, sodass das Brot luftig wird. Unser Leben ohne Jesus scheint wie das harte Brot. Das Evangelium aber schenkt uns eine lebendige Hoffnung, sodass unser Leben nicht mehr hart ist.
Wir haben eine sichere Hoffnung. Unser Herr Jesus führt uns auf den besten Weg und leitet uns schließlich ins Himmelreich. Diese Hoffnung macht unser Leben lebendig und fröhlich. Darum können wir trotz der Härte der Welt hoffnungsvoll und fröhlich leben.
Als drittes bewirkt das Evangelium, dass wir Gottes Liebe erfahren.
Wir können unser Glaubensleben mit der Ehebeziehung vergleichen. Wir haben durch den Glauben an das Evangelium mit Jesus geheiratet. Der verheiratete Familienstand ist der sichere Ausgangspunkt der dauerhaften Ehebeziehung. Die Hoffnung verleiht unserer Ehe dann eine rosarote Zukunftsperspektive. Diese gute Zukunftsperspektive ist sicher notwendig für unser Familienglück.
Aber wenn unserer Ehebeziehung die Liebe fehlt, wird unser Eheleben trocken und unsere Zukunft wird auch düster aussehen. Deswegen sagt die Bibel: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen“ (1. Kor. 13,13).
Oder: „Denn also hat Gott die Welt (also uns) geliebt, dass er seinen eingeboren Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh. 3,16).
Jesus liebt uns sehr. Wir sollen immer wieder an seine große Liebe denken.
Wenn wir diese drei Wirkungen des Evangeliums richtig wahrnehmen, können wir in der Welt als Sauerteig des Evangeliums gut wirken. Und Gott kann durch uns andere Menschen und Gesellschaft verändern. In der Geschichte hat die Liebe Christi die Welt viel verändert. Ich nenne nur ein Beispiel davon. In manchen orientalischen Ländern kann man noch heute sehen, dass der Mann auf einem Esel reitet, während seine Frau nebenher läuft. Das ist in christlichen Ländern unvorstellbar[7]. Jesus aber hat uns gute Beispiele der Liebe hinterlassen. Beispielsweise hat er seinen Jüngern ihre Füße gewaschen. Schließlich hat er sein Leben für uns dahingegeben. Wir sollen uns immer wieder an seine Liebe erinnern. Wir sollen durch die Liebe Christi einen guten Wandel der Gesellschaft herbeiführen.
Gott möge heute in unsere Herzen und in die Herzen anderer Menschen den Samen des Evangeliums säen, sodass wir und zahlreiche Menschen Früchte des Glaubens, der Hoffnung und Liebe schmecken können.